Jakobsweg-Statistik_1

Pressemitteilung

„Euro-Tandem-Pilgertour 2012 von Neuhausen nach Santiago de Compostela“

"Sehende" Blinde auf dem Weg nach Santiago de Compostela

Inspiriert von der Kraft der Euro-Tandem-Pilger Tour 2008 nach Rom entstand bei den blinden und sehbehinderten TeilnehmerInnen die Idee, erneut einen spirituellen Weg zu wählen, der ihnen Mut im Kampf gegen die Blindheit machen sollte. Die Entscheidung fiel für den Jakobsweg von St. Jean-Pied-de Port nach Santiago de Compostela .

In der Abgeschiedenheit des Benediktinerklosters Beuron wurden die Pläne konkretisiert, um dieses Projekt 2012 durchzuführen. Schnell ließen sich Tandem- und EinzelfahrerInnen sowie die notwendigen Begleitpersonen begeistern, so dass man am 25. Mai 2012 nach zwei Jahren Vorbereitungszeit starten konnte. In einer Andacht in Neuhausen auf den Fildern segnete Pfarrer Kirsch die Pilger und der baden-württembergische Landesverkehrsmininster Winfried Hermann und Neuhausens Bürgermeister Ingo Hacker schickten den Tross von 32 Radfahrern auf 12 Tandems und Einzelrädern mit einem Startschuss auf die erste Etappe von Neuhausen über Freudenstadt nach Straßburg. Diese erste Etappe mit etwa 160 km und 1800 Höhenmetern und acht Stunden Fahrzeit stimmte die Radler schon einmal auf die bevorstehenden Etappen und Strapazen am Berg ein. Die Radfahrer hatten die Möglichkeit, sich auf den dann folgenden zwei Busetappen von Straßburg über Avignon und Lourdes nach St. Jean-Pied-de-Port zu erholen. Dann jedoch ging es hoch in die Pyrenäen.

Nach der herausfordernden Etappe von St. Jean-Pied-de-Port nach Pamplona stieß das spanische ONCE-Team (spanischer Blindenverband) mit aktiven Piloten aus Kanada, Brasilien, Südafrika, Luxemburg und Spanien und sehbehinderten Copiloten aus Spanien dazu, um das deutsche Team auf dem Jakobsweg zu begleiten. Die große Medienpräsenz (Fernsehen, Rundfunk, Presse) in Pamplona, Santo Domingo de la Calzada, Burgos , Léon und Santiago de Compostela verschaffte der Tour ein großes Echo in der Öffentlichkeit. Dank der Unterstützung durch das spanische Außen- und Innenministerium wurde garantiert, dass der Tross auf der gesamten Strecke von einer Polizeieskorte und einem Ambulanzfahrzeug begleitet wurde. Alle TeilnehmerInnen waren von der herzlichen Gastfreundschaft der SpanierInnen überwältigt.

Die Route auf dem Jakobsweg führte durch wunderschöne Landschaften, Berge, Schluchten und sich verändernde Vegetation. Es gab langgezogene Anstiege und rasante Abfahrten mit beinahe 80 km/h. Die Höhepunkte waren unzweifelhaft neben der sportlichen Leistung die Besuche der Kathedralen in Pamplona, Santo Domingo de la Calzada, Burgos, Léon und abschließend in Santiago de Compostela mit ihren Pilgermessen. Die TeilnehmerInnen der Tour absolvierten insgesamt 1.016 km mit etwa 11.700 Höhenmetern, eine Durchschnittsgeschwindigkeit von ca. 2o km/h und einer Gesamtzeit von 51 Stunden auf den Sätteln. Das Glück ihr Ziel gesund erreicht zu haben, stand jedem Teilnehmer ins Gesicht geschrieben. Dieses einzigartige Erlebnis hat jeden ein Licht erblicken lassen!

Wir danken allen Sponsoren und Spendern für Ihre freundliche Unterstützung die dazu beigetragen hat, dass die Tour erfolgreich durchgeführt werden konnte.

Horst Schwerger

Schlusswort der Teilnehmer

Unser gemeinsamer Spaß, unser gemeinsames Leiden, das Kämpfen mit dem Berg, das Zwicken in den Waden und Oberschenkeln, der Schweiß, arbeitender Puls, das mentale Durchhalten, dranzubleiben, die rasenden Abfahrten in höchster Konzentration, Gelassenheit – all das findet sich in dieser Statistik wieder. Kann sie unsere Emotionen wiedergeben? Wir sagen: NEIN. Man muss so etwas wie diese Tour einfach erlebt haben.

Neben den fahrerischen Qualitäten, die zweifellos gefragt waren, werden uns der langsame Wechsel der Vegetation und des Klimas, das sonnige Wetter bis wenige Kilometer vor dem Cebreiro-Pass, in Erinnerung bleiben. Die Gerüche von trockener Erde, der Kräuter und des blühenden Ginsters werden wir nicht vergessen.

Vor allem aber werden wir mit dieser Tour eines verknüpfen: Das aus vollen Kehlen gesungene Lied über Asturien – von hinten aus dem Feld kommend – um uns zu mahnen oder zu schwächen? Einfach das Feld anzuspornen und Spaß zu haben, dem überschäumenden Temperament freien Lauf zu lassen? … um dann, ja was, wenige Sekunden später mal wieder eine spanische Attacke zu starten und uns am Berg stehen lassen.

Der Weg ist das Ziel, die Schwächeren (was ist das, gibt es das überhaupt?) und die Stärkeren kommen gemeinsam ins Ziel.

Genauso werden wir noch gerne daran denken, wie unsere spanischen Freunde in den Pausen nach „Ac-ti-mel! Ac-ti-mel!“ verlangten und das rhythmisch sangen, wie Fangesänge im Stadion.

Uns allen werden die gemütlichen Abende in Erinnerung bleiben und der enge Austausch mit so vielen tollen und netten Menschen. Dass wir uns alle selbstverständlich gegenseitig geholfen haben, wo immer das nötig war, die Sehenden den weniger gut Sehenden, dass wir einfach füreinander da waren und wir aufeinander zählen konnten.

Das ist der größte Gewinn der Reise, nicht die Kilometer oder die Höhenmeter, die alle mehr oder weniger mühsam gefahren sind. Sondern die Achtsamkeit füreinander, zu sehen, wenn jemand Hilfe braucht und selber umsorgt werden, das war der Geist der Reise, einer besonderen Reise zu den wichtigen Dingen im Leben.


“Seeing” blinds on the way to Santiago de Compostela

Inspired by the strenght and power of the Euro-Tandem-Pilgrem Tour to Rome in 2008, the participators of the tour,most of them blind or visually handicapped, have come up with another spirituel tour which will give them hope for the battle against blindness. The choice was made in favor for the Jacobs path, reaching from St. Jean-Pied-de Port to Santiago de Compostela .

The plans for the project were made at the benedictine in Beuron. Many eager participants and accompanists were found so that the tour started May 25th,after two years of planning. Pastor Kirsch blessed the pilgrems with a prayer, before the group of 32 cyclists on 12 tandems started its first stage of the tour from Neuhausen to Straßburg, launched by the transport minister of baden-württemberg, Winfried Hermann, and Neuhausen’s mayor İngo Hacker. The first stage of 160 kms in 1800 meter hight lasted for 8 hours gave the cyclist a feeling for how the rest of the tour would be. The cyclists had the chance to rest at two bus stations on the way from Straßburg to Avignon and from Lourdes to St. Jean-Pied-de-Port. After that the route went through the pyrenees. The spanish ONCE-Team composed of pilots from Canada, Brasilia, South Africa, Luxemburg and Spain and visually handicapped copilots from Spain joined the tour after the challenging stage from St. Jean-Pied-de-Port to Pamplona. The presence of numeral mediatic devices (TV,radio, press) in Pamplona, Santo Domingo de la Calzada, Burgos , Léon and Santiago de Compostela contributed in spreading the tours name and purpose to the public. Thanks to support from the Spanish Ministry of Foreign and internal Affairs it was made sure that group was accompanied by a police escort and an ambulance at all times. All the participants were overwhelmed by the hospitality of the Spanish people.

The route along the Jacobs path took us through a wonderful lanscape of mountains, canyons and constatnyl changing vegetations. There were some routes of incline and some of rapid decline with upto 80 km/h. The highlights,besides the athletic performances of the cyclists, were the visits to the kathedrals in Pamplona, Santo Domingo de la Calzada, Burgos, Léon and abschließend in Santiago de Compostela with their pilgremmesses. Overall 1.016 km were left behind by the participants at 11.700 m height and an average speed of 20 km/h,time being spend on the saddels being 51 hours. At the end of the tour the happyness of reaching their final destination could be read of the faces of the participants. This unique experience gave them all new strength and hope towards a future cure against blindness.

We thank all of our sponsors and donors for their kind and friendly support which contributed to the succes of the tour.

Horst Schwerger